Wildäsungsflächen: Lenken, schützen, verbinden
Wildäsungsflächen sind weit mehr als zusätzliche Futterquellen für Rehe und Co. Als gezielte Lenkungsflächen reduzieren sie Wildschäden in Wald und Acker, entschärfen gefährliche Wildwechsel an Straßen – und machen gleichzeitig Jagd als aktiven Naturschutz erlebbar.

Warum Wildäsungsflächen?
Wo natürliche Äsungsflächen fehlen, weicht das Wild auf Felder, Jungwälder und Straßenränder aus. Die Folgen sind bekannt: Verbissschäden an jungen Forstpflanzen, Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und immer wieder Wildunfälle auf vielbefahrenen Straßen. Wildäsungsflächen setzen hier gezielt an: Indem sie das Wild mit einem attraktiven Nahrungsangebot an bestimmten Orten binden, lenken sie es weg von Gefahrenpunkten und sensiblen Flächen.
Schutz für den Jungwald – Weniger Verbiss an Forstpflanzen – natürliche Waldverjüngung wird möglich.
Schutz für Äcker – Wild wird von landwirtschaftlichen Kulturen ferngehalten und Wildschäden sinken.
Weniger Wildunfälle – Lenkungsflächen nahe Straßen reduzieren gefährliche Wildwechsel.
Lebensraumverbesserung – Deckung und Nahrungsvielfalt stärken den Wildbestand in der Fläche.
Ein konkretes Beispiel: Pöllau
Im März legte KLAR! Naturpark Pöllauer Tal gemeinsam mit der Jagdgesellschaft Pöllau eine neue Wildäsungsfläche an. Sie hat eine besonders klare Lenkungsaufgabe: Das Rehwild soll gezielt von der nahe gelegenen Landesstraße weggezogen werden, um Wildunfälle zu vermeiden. Gleichzeitig entlastet die Fläche die umliegenden Forst- und Landwirtschaftsflächen vom Äsungs- und Verbissdruck.
Im Rahmen von KLAR! wurden in Kooperation mit den Jagdgesellschaften Pöllau, Unterneuberg und Oberneuberg bereits mehrere Wildäsungsflächen sowie eine Hecke angelegt. Weitere Maßnahmen zur Klimawandelanpassung im Bereich Wild, Lebensraum und Jagd sind in der nächsten Projektphase geplant.
Volksschule Schönegg zu Besuch
Am 15. April besuchten Schülerinnen und Schüler der Volksschule Schönegg die neue Fläche und erlebten Jagd und Naturschutz aus erster Hand. Die Jägerinnen und Jäger der Jagdgesellschaft Pöllau erklärten ihre vielfältigen Aufgaben – von der Hege des Wildbestandes bis zum Beitrag für den Klimaschutz. Die Kinder säten einen Teil der Fläche selbst aus und erlebten den Einsatz einer Drohne zur Rehkitzrettung hautnah: Vor der Wiesenmahd wird die Wärmebilddrohne eingesetzt, um Kitze rechtzeitig zu orten und aus der Gefahrenzone zu bringen.
Der Besuch zeigte: Wildäsungsflächen sind nicht nur ökologisch wirkungsvoll – sie sind auch hervorragende Orte, um Menschen jeden Alters für die Zusammenhänge von Jagd, Wildtieren und Landschaft zu begeistern.



[Fotocredit: KLAR! Naturpark Pöllauer Tal]

Das Projekt „Klimawandel-Anpassungsmodellregion Naturpark Pöllauer Tal“ wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programmes „Klimawandel-Anpassungsmodellregionen“ durchgeführt.
